Grundsätze erfolgreicher Modellierung im Unternehmen

Was ist Modellierung?

Modellierung trifft man in der einen oder anderen Form in jedem Unternehmen an. Wer ist nicht schon bei der Arbeit auf Architekturskizzen gestossen, hat selber an einem White-Board einen Geschäftsablauf „modelliert“ oder in einem Excel Zusammenhänge verschiedener Daten in einer Tabelle erfasst. Sogar die textuelle Beschreibung beispielsweise einer Anforderung an die Funktion einer Maschine kann in weiterem Sinne als Modellierung verstanden werden: sie beschreibt vereinfacht wie sich die Maschine in einer gewissen Situation verhalten soll.
Modellierung als solches verfolgt das Ziel die Realität vereinfacht in einem Modell darzustellen. Auch im täglichen Leben begegnen uns die Vereinfachungen der Realität für einen bestimmten Zweck, wie beispielsweise der U-Bahn-Plan oder der Bauplan für ein Haus. Je nach Zweck der Modellierung werden dabei einige Details weggelassen und andere hervorgehoben. Bei der Modellierung werden die gewünschten Zusammenhänge sehr oft in visuellen Modellen dargestellt. Typische Beispiele für Modelle im Unternehmen sind grafische Darstellungen von Geschäftsprozessen oder Diagramme der IT-Infrastruktur.

Warum wird modelliert?

In Workshops werden Modelle oft skizzenhaft verwendet. Dies erleichtert den gegenseitigen Ideenaustausch, verhindert Missverständnisse und sorgt für eine effektive Kommunikation. Um in diesem Fall von der Modellierung zu profitieren, muss man sich nicht zwingend an streng formale Modellregeln oder die spezifischen Konzepte einer Modellierungssprache halten.
Denkt man an die Entwicklung von Unternehmen und deren Geschäftsfelder über einen längeren Zeitraum, die komplexen Geschäftsarchitekturen und IT-Systemlandschaften, so ergibt sich ein strategischer Anspruch an die Modellierung. Richtig angewendet kann so eine systematische Modellierung eine strategische und nachhaltige Entwicklungssteuerung des Unternehmens unterstützen oder gar erst ermöglichen. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der vereinfachten Darstellung der komplexen Zusammenhänge, der einheitlichen Darstellung sowie der Nachverfolgbarkeit von Zusammenhängen und Änderungen. Durch Modellierung wird die Kommunikation vereinfacht, weil es eine gemeinsame Bezugsgrundlage gibt und oft unbewusstes Wissen dokumentierbar wird. Verschiedenen Stakeholdern kann eine für sie relevante und angemessen abstrahierte Sicht auf ein System gegeben werden, sei es im Kerngeschäft oder in einer unterstützenden Disziplin wie der IT. Zentrale Modelle können auch für die automatisierte Informationsbeschaffung oder Rapportierung verwendet werden, in spezifischen Fällen lassen sich automatisierte Ansätze der modellgetriebenen Entwicklung einsetzen.

Was ist bei der Modellierung zu beachten?

Die systematische Modellierung im Unternehmen ist eine anspruchsvolle Disziplin. Folgende Fragen sollten berücksichtigt und beantwortet werden:

  • Welche Aspekte und Beziehungen im Unternehmen müssen konsequent modelliert werden?
  • Auf welcher Abstraktionsebene bringt die Modellierung den grössten Nutzen gemessen am Aufwand?
  • Welche Modellierungssprachen- und Methoden kommen für welchen Zweck zum Einsatz?
  • Wie kann eine lebendige Kultur rund um die Modellierung aufgebaut und gepflegt werden?
  • Wie wird die Modellierung organisatorisch, z.B. in Projekten, verankert?

Die 8 Aspekte erfolgreicher Modellierung im Unternehmen

Basierend auf unseren Projekterfahrungen und den in der Literatur aufgeführten Modellierungsaspekten [BECK] geben wir nachfolgend eine Zusammenfassung der acht Grundsätze die bei systematischem Einsatz von Modellierung zu beachten sind.

  • Relevanz
    Ein Modell ist verglichen mit der Realität niemals vollständig, daher werden Entscheidungen getroffen, welche Details weggelassen, und welche hervorgehoben werden. Das heisst ein Modell ist immer in einem zuvor festgelegten Kontext für bestimmte Adressaten relevant.
  • Korrektheit und Klarheit
    Neben der semantischen und syntaktischen Korrektheit nach der entsprechenden Modellierungssprache, sollte das Modell so einfach wie möglich und nur so kompliziert wie nötig sein.
  • Zeitlicher Bezug
    Ein Modell steht immer in einem zeitlichen Bezug. Beispielsweise kann vom gleichen Modell eine zeitliche Version der aktuellen Ist-Situation sowie ein Soll-Modell in fünf Jahren gemäss der strategischen Weiterentwicklung existieren. Bei einer systematischen Modellierung muss festgelegt werden, welche zeitlichen Bezüge, das heisst Vergangenheit, Ist- und Zukunftssicht, relevant sind. Geklärt werden muss auch wie unterschiedliche zeitliche Ansichten eines Modells miteinander verknüpft sein müssen.
  • Aktualität
    Grundsätzlich bedeutsam für den Wert eines Modells ist dessen Aktualität bezüglich des aktuellsten Wissensstand. Dieser Aspekt ist unabhängig vom zeitlichen Bezug: Auch jede zeitlich unterschiedliche Modellversion sollte immer auf dem aktuellsten Stand sein.
  • Nachvollziehbarkeit
    Änderungen an Modellen sollten nachvollziehbar sein. Da in Unternehmen teilweise bis zu hundert Personen an einem gemeinsamen Modell arbeiten, ist eine Änderungshistorie sowie Versionierung der Modelle notwendig.
  • Ganzheitlichkeit und Verknüpfbarkeit
    Unterschiedliche Modelle müssen sich miteinander verknüpfen lassen damit es ein konsistentes Gesamtmodell gibt. Wenn zum Beispiel in einem Prozessmodell Organisationseinheiten notiert sind, sollten diese denen des Organisationsmodells entsprechen. Dabei führen weniger beziehungsweise einheitliche Modellierungstechniken zu weniger Wartungsaufwand und ermöglichen auch spätere Anpassungen oder Verknüpfungen über Modellgrenzen hinweg.
  • Modellierung sollte wirtschaftlich sein
    Der Aufwand für die Erstellung und Pflege von Modellen muss in Relation zu dem Nutzen stehen.
  • Verankerung der Modellierung im Unternehmen mit strategischer Relevanz
    Aus unseren Erfahrungen in diversen Projekten ist für eine effektive Modellierung im Unternehmen die organisatorische Verankerung und strategische Steuerung der Modellierung der kritischste und oft vernachlässigte Aspekt. Für einen mittel- und langfristigen Nutzen, ist dieser jedoch unabdingbar.

Ausblick

Dieser Artikel gibt einen ersten Einblick in das Thema „Modellierung im Unternehmen“. Er wirft Fragen darüber auf, was bei der Modellierung zu beachten ist. Daher werden wir demnächst eine Artikelserie veröffentlichen, die diese beantwortet und praktische Tipps gibt. Der erste Artikel wird gängige Modellierungssprachen vorstellen. Bei Fragen und Anregungen hinterlassen Sie gerne einen Kommentar oder kontaktieren Sie uns direkt.

Quellen

[BECK] Grundsätze ordnungsmäßiger Modellierung : Konzeption und Praxisbeispiel für ein effizientes Prozessmanagement
Jörg Becker; Wolfgang Probandt; Oliver Vering
Berlin : Springer, 2012

Modellierung : Grundlagen und formale Methoden
Uwe Kastens ; Hans Kleine Büning
München : Hanser , 2014

Modellierung von Informationssystemen. Ein methodischer Leitfaden zur Projektabwicklung
Adrian Specker
Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 2005 (2.te und erweiterte Auflage)

Object Management Group (OMG), www.omg.org

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